Norwegen 2015 -Vägen Gard

Vorplanung

Auf was man im Vorfeld einer solchen Reise achten sollte. Von gültigen Reisepapieren über das richtige Haus bis hin zum Angelrevier...

Anreise

Ein sehr wichtiges Thema: Man kann natürlich mit dem eigenen 

PKW fahren. Wir benötigen entweder ca. 8 Stunden zu Fähre nach Kiel - Überfahrt ca. 18 Stunden nach Oslo. -in Norwegen nochmal ca. 8 Stunden - schon wären wir dort!!!!

Oder 2,5 Stunden nach München zum Flughafen - 2 Stunden bis Oslo - Weiterflug nach Kristiansund nochmal 45 Minuten - 30 Minuten bis zu Ferienhaus. Passt!!!!

Und die Kosten sind vergleichbar!

Angeln

Ausrüstung und Systeme die sich bewährt haben. Fische und Angelarten.


Sonstiges


 

Die Vorplanung

Zu aller erst macht es Sinn, sich mal die finanzielle Seite zu betrachten. Wir waren 10 Tage in Vägen Gard:

Inkl. Flug, Boot für 8 Tage, Unterkunft und Flughafentransfer hatte der Urlaub 3000,00 Euro gekostet.

Zuzügl. Benzinkosten zum Flughafen und zurück, Benzinkosten für das Boot, Verpflegung in Norwegen (wobei: zuhause muss man sich auch verpflegen) sind wir zu dritt auf ca. 350 Euro gekommen. Auch nicht zu vergessen ist das benötigte Angelequipment... (je nach Anspruch kann das genauso teuer wie die Reisen kommen...) Sind die finanziellen Mittel vorhanden kann man sich um die nächsten Punkte kümmern.

Relativ schwierig hatte sich für mich die Auswahl den Gebiets bzw. der Unterkunft herausgestellt:  Einerseits

wollte ich rein angeltechnisch soweit in den Norden wie möglich, andererseits musste ich folgende Punkte beachten:

 

- Umgebung der Unterkunft

  * am besten etwas flacher, nicht so große schroffe Felsen

  * einfache Möglichkeit für Kinder ans Wasser zu gelangen,

  * keine Strömung direkt am Haus

  * weitläufiges und übersichtliches Gelände um die Ferienhütte

  * nicht zu tiefes Seegebiet (Kinder und 500gr. Pilker geht gar nicht)

  * Angelmöglichkeit vom Ufer aus

  * Haus mit Meerblick

  * Tiere in der Nähe sind auch immer gut

  * Flachwasserbereiche am besten direkt am Haus

 

  Puhh - ich weiß!  Das schränkt die Auswahl natürlich schon sehr ein...

  Ich hatte damals einfach den Telefonhörer in die Hand genommen und bei Dintur angerufen. Zum Glück war

  gleich ein angelbegeisterter Familienvater an der Strippe, der auch genau wusste auf

  was es ankommen würde. Sein Tipp war Vägen Gard in Westnorwegen - also gut: Angebot machen lassen -

  Seekarte auf der Internetseite studiert - Boote begutachtet (sehr wichtig - stabile Aluboote mit hoher Reling - 

  Rutenhalter müssen sein,  Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit ....!)

 

- Reisezeitpunkt

  Mit Kindern im Schulalter ist man natürlich an die Ferien gebunden. Dennoch gibt es Möglichkeiten, nicht in

  die teuerste Haus-Kategorie zu fallen. Bei uns in Bayern ist Ende August/ Anfang September eine gute Zeit. 

  Ich hatte mich schließlich von Ende August überzeugen lassen - Pfingsten war zwar meine erste Wahl, da wäre

  die Landschaft aber noch zu karg, wurde mir gesagt.

  Gute Entscheidung, denn man kann das Wetter zwar nicht planen, aber es gibt schon Tendenzen.

 

- Angelequipment (Kids)

  Zum Bootsangeln bis 60 Meter hat sich folgendes bewährt (Tiefer macht mit Kindern wenig Sinn und Spaß):

 

  Sohnemann:  Rute: Sportex Jokolina Jigging 185 cm, 150gr Wurfgewicht - Rute ist gut - etwas schwer

  (9 Jahre)         Rolle:  Daiwa Lexa 3500 - leider sehr schwerläufig - kann ich nicht empfehlen

                          Schnur: geflochtene Schnur - 20pfd. Klasse völlig ausreichend

 Tochter:           Rute: Savage Gear Salt, 228 cm, bis 150gr Vertikal - absolute Empfehlung - auch top Preis

  (11 Jahre)       Rolle:  Daiwa Freams 4000 - kein Vergleich zur Lexa - nix schwerläufig - sehr gut

                          Schnur: geflochtene Schnur - 20pfd. Klasse völlig ausreichend

 

  Pilker bis max. 150gr - bewährt haben sich Pilker um die 60-80gr.

  Gummifische ca. 16-20 cm mit Köpfen auch um die 80 gr.

  (evtl. Drillinge bei den Pilkern gegen Einzelhaken austauschen - ist für die Kids weniger gefährlich und fischt

  genauso!!!!)

 

- Klamotten

  Sehr gut sind die "Arbeitshosen" von Engelbert Strauss - super robust - viele Taschen - meine Empfehlung!

  wichtig auch Ski-Unterwäsche, Regenhose + Regenjacke, Gummistiefel, Sonnenbrille!,

  Soft-Shell-Jacken (auch Engelbert Strauss), gute dicke Socken (der Aluboden vom Boot kann doch sehr    

  unangenehm kalt werden) und natürlich den noch übliche Kram ...

  Bei einer Tochter unbedingt an die Haarbürste denken - ansonsten droht der Weltuntergang ....         

  Mit Kindern ist es auch sinnvoll, wenn eine Waschmaschine im Haus ist! Jeder der nach einem Norwegen- 

  Urlaub schon mal die Tasche mit den "Fischklamotten" aufgemacht hat, weiß es zu schätzen wenn man vor

  der Abreise noch mal waschen kann - Brechreiz....

 

- diverses

  Gültigkeit der Reisepässe checken (am besten nicht einen Tag davor - Wir hatte es so gemacht -man war das

  ein Stress - biometrisches Bild - ´na Danke!). Ansonsten einfach das Übliche wie Devisen (jaja nix Euro). Wie

  war das nochmal mit der Auslandskrankenversicherung?

  Urlaub bezahlt ? Achtung: wenn in der Email irgendwas von Mahnung steht - ist das nicht die Bestätigung

  für den bezahlten Urlaub.

 


Anreise

Ist alles planungstechnisch erledigt, geht es irgendwann dann endlich los. Koffer bitte nicht 2 Tage davor erst packen. Ich hatte eine Woche davor mit begonnen die Sachen zu packen - und das war gut so.

Ich hatte für den Flug ein Anglerpaket  gebucht, bei dem jede Person 2x23kg Freigepäck + 8 kg Handgepäck frei hatte - das sollte erstmal gepackt und gewogen werden (wichtig: dafür wird die Fischwaage schon vor dem Angelurlaub schwer beansprucht). Besser als normale Taschen haben sich Hartschalen-Koffer bewährt. Am besten "quitschbunt": Die kann man am einfachsten auf dem Kofferband finden. D.h. wir hatten 3 Koffer mit Klamotten und diversen Kleinteilen, 1 großes Rutenrohr (kostet extra), 1 Tasche mit Angelzeugs, 1 Colemann Kühlbox, 1 Tasche mit Kühltasche jeweils mit Lebensmittel teilweise Gekühltes.

Insgesamt hatten wir 7 Packstücke + 3 mal Handgepäck (zu dritt).Iich kann euch sagen: Da wird man schon

etwas schief angeschaut, wenn man mit 2 vollen Gepäckwägen im Flughafen einrollt. Da fragt sich der reisende

Business Man mit seinem Handtäschchen: Wohin wollen die denn Auswandern ?? - Nix Auswandern 10 Tage Angelurlaub.

 

Wichtig beim Fliegen: Lasst die Kids beim Starten der Maschine Kaugummi kauen. Meine Tochter hatte den ganzen Flug üble Ohrenschmerzen. Ich kann euch sagen, schlechter könnte der Urlaub kaum beginnen....

 

Die nächste Hürde war das Umsteigen in Oslo, da hatte ich echt Bammel. Ein Berg voll Gepäck, ein großer Flughafen, Anschlussflug und noch 2 kleine Kinder. Das Problem, wir mussten das Gepäck vom Förderband nehmen, durch den Zoll und wieder neu einchecken (soll ab 2016 anders sein). Als das erledigt war, habe ich mir erst mal ein Bier auf dem Flughafen gegönnt - 20,00 Euro 0,3 l - war mir völlig Wurscht!

 

Pünktlich landeten wir in Kristiansund - und wurden dort vom Besitzer der Anlage bereits erwartet - Urlaub ich bin da.

 

Im Großen und Ganzen war die Anreise sehr entspannend -kein Vergleich zum eigenen PKW  (habe ich auch schon einige male auf mich genommen)

 

 


Das Angeln

Wie bereits oben beschrieben waren Pilker von 60 - 80 gr. für die Kinder ideal. Wir suchten uns natürlich nicht die tiefsten Rinnen und Plateus aus. Top zum Fischen und auch sehr fängig hatten sich Tiefe um die 25-35 Meter rausgestellt. (Gute Stellen kann ich gerne weitergeben - einfach melden!) Dafür mussten wir allerdings auch weite Bootsfahrten auf uns nehmen. Dass dies nur bei bestem Wetter ohne viel Wind möglich war, ist natürlich klar. Voraussetzung sind natürlich stabile Boote, kräftige Motoren: Echolot mit Kartenplotter sind ideal.  Eins steht immer an erster Stelle - Sicherheit.

 

Noch ein paar Tipps zu den Ausfahrten:

- wir waren max 3-4 Stunden auf dem Meer, dafür früh und Nachmittag bzw. gegen Abend.

- immer einen Eimer mitnehmen (kaum am Angelplatz angekommen - musste einer (oder eine) mal ganz 

  dringend!

- wichtig ist auch Verpflegung und genügend Getränke

- Naschsachen können euch auch nochmal 30 Minuten Angelzeit einbringen

- Sonnenbrillen für die Kids, Lippenbalsam, Sonnencreme, Pflaster

- auch wenn euch Bootsfahren selbst sehr viel Spaß bereitet - lasst einfach die Kinder fahren,

  die können das besser als man denkt! (natürlich unter Aufsicht versteht sich)

- eine gewisse Grundordnung auf dem Boot erleichtert den Ablauf immens (z.B. installierte Rutenhalter!!!!)

- und bitte nicht auf die Idee kommen, dass die Fische nur früh um 5.00 Uhr beißen - kann mal schon mal

  probieren - aber spätestens beim 2.Mal die Kinder früh um 4.30 Uhr aus den Betten zu holen, gibt´s ganz

  miese Stimmung und lang anhaltende Unlust. Übrigens, die an den ersten Tagen noch vorhandene Angellust

  lässt mit der Dauer des Urlaubs nach - das ist ganz normal - einfach arrangieren.

 

zurück zum eigentlichen Fischen

Super waren große Gummifische (von Fox) ca. 16-20cm mit 80gr. Bleikopf (Profiblinker). Das Gute am Gummifischen ist, dass es eine relativ faule (Angel)egenheit ist - einfach über dem Kleinfischschwarm baumeln

lassen (das sind die vielen Flecken auf dem Echolot). Hängergefahr gleich null. Und die Bisse kommen brachial. Gut waren auch 60-80 gr. Pilker, da muss man allerdings etwas mehr arbeiten. Entweder klassisch pilken oder einfach runter lassen und schnell wieder nach oben kurbeln (die Köhler finden das irgendwie gut).

Bei den Pilkern bitte die Drillinge gegen robuste Einzelhaken austauschen. Gerade bei Makrelen oder auch kleinen Köhlern macht das Sinn - schließlich sollen die Kinder auch lernen, die Fische selbst abzuhaken. Bei den Makrelen bitte den Kindern immer ein Tuch zum abhaken verwenden lassen, der Stachel an der Afterflosse macht böses Auwa! Makrelenvorfächer am besten gleich zuhause vergessen.

Einmal Full-house bei beiden Kindern, da wurde mir sogar nach 20 Minuten "Entüdelung" tot schlecht.

Spaß macht es dagegen spät abends in einer ruhigen Bucht mit Paternoster auf Heringe zu fischen. Die sind

ganz schön heikel, hätte ich nicht gedacht. Bitte auch nicht die Uferkanten vernachlässigen - Pollackfischen ist toll.

Nicht zu vergessen sind natürlich die kleinen Plattfische und die Krabben unterm Steg. Da können sich die Kids tagelang mit beschäftigen und der Vater kann in Ruhe was kochen oder sich ein Bierchen auf dem Balkon gönnen.(oder auch 2)

 

einen Satz noch zur Ausrüstung

Ich habe gelernt: Nur was für mich selbst Gut genug ist, taugt auch für die Kinder. Daher bitte hier nicht an der falschen Stelle sparen. Nützt ja nichts, wenn die Kleinen sofort den Spaß verlieren, weil sich die Rolle kaum drehen lässt.

 

Achja nochwas: Nichts ist für ein Kind schlimmer als einen guten Fisch zu verlieren, weil das Material schlecht ist. Das ist meinem Sohne passiert - hatte einen wirklich dicken Dorsch verloren, weil der "scheiß" Karabiner gebrochen ist. Da hat man als Erwachsener schon gute Lust die Rute über Board zu schmeißen - ist natürlich kein wirklich gutes Vorbild. Seitdem verwenden wir nur noch Sprengringe - mit entsprechender Zange sind die auch "Ratz-Fatz" getauscht. (Die Zange von Fox kostet ca. 12,00 Euro, ist handlich, passt.)

 

das muss ich noch loswerden

Und vorallem immer cool bleiben, auch wenn eines der Kinder zum 100sten Mal versucht, den Pilker komplett durch die Ringe mit auf die Rolle aufzuwickeln. Ich glaube ja immer noch, ich kann das einfach schlecht erklären ....

 

 

... die Kinder fangen (fast) immer am besten - da legst di nieder !

Wir hatten sehr viele Dorsche (bis 12 kg) über den Köhlerschwärmen gefangen. Für Mitte August und in West-Norwegen - ich war begeistert. Ach ja, alle Fische die die Kinder halten, haben Sie auch selbst gefangen !!!!!


und nicht vergessen, Fische fangen macht auch Arbeit .... 


Sonstiges

Worauf man vielleicht noch achten sollte - unser Rückflug war für 6.00 Uhr morgens gebucht. Irgendwie hatte ich nicht so richtig auf dem Schirm, was es heißt um 5.30 Uhr am Flieger zu sein.

 

Ansonsten kann ich jedem nur nahelegen einem Angel-Urlaub in Norwegen mit Familie ein Chance zu geben.

Das Handy, die Spielkonsole, der PC werden uninteressant - die Krabbe unterm Steg irgendwie cool.

Speziell dieser Urlaub hat mir gezeigt was möglich ist. Die meisten Leute in meinem Umfeld, machen einen

Urlaub für ihre Kinder (Disney World oder ein Familien Resort o.ä.) - auch ok - wäre aber nichts für mich.

Mit ein paar kleinen Abstrichen kann ich mein Hobby ausleben und meine Kinder integrieren. Fernab vom 

Massentourismus, in teils unberührter Natur mit glasklaren Bächen, herrliches Trinkwasser direkt aus der Leitung, die Steinpilze vor der Haustüre, Himbeeren und Heidelbeeren wohin man schaut .... (ich höre jetzt lieber auf !) 

Auch wenn mir mein Hobby wichtig ist - meine Kinder stehen an 1. Stelle und würde ihnen das alles keinen Spaß machen, könnte ich die Sache auch gleich wieder vergessen!